Kleinunternehmer Umsatzgrenze & Registrierkasse zum Jahreswechsel

Kleinunternehmer – Umsatzgrenze

Der Weg in die Umsatzsteuerpflicht

  • Umsatzgrenze: Der Gesamtumsatz darf 55.000 Euro brutto im Kalenderjahr nicht überschreiten. Seit der Reform ist dies eine Bruttogrenze (ohne fiktives Netto-Herausrechnen).

  • Toleranzregelung (Überschreitung bis 10%):
    • Wenn Sie die Grenze von 55.000 Euro um höchstens 10% überschreiten (also maximal bis zu 60.500 Euro), bleibt die Steuerbefreiung für das laufende Jahr noch bestehen.
    • Im darauffolgenden Jahr sind Sie jedoch umsatzsteuerpflichtig.

  • Überschreitung über 10% (> 60.500 Euro):
    • Sobald die Schwelle von 60.500 Euro überschritten wird, tritt die Umsatzsteuerpflicht ab dem Zeitpunkt der Überschreitung in Kraft.

  • EU-weite Regelung: Es gibt eine unionsweite Kleinunternehmergrenze von bis zu 100.000 Euro, wenn Sie auch in anderen EU-Ländern Umsätze tätigen (mit separater Registrierung und EX-ID).

  • Sozialversicherung (SVS): In der Sozialversicherung gilt für die Ausnahme von der Pflichtversicherung eine Einkunftsgrenze orientiert an der ASVG-Mindestbeitragsgrundlage (6.613,20 Euro für 2026).

Der Weg aus der Umsatzsteuerpflicht

Wenn der Umsatz im Kalenderjahr 2026 unter der Grenze von 55.000 Euro lag, sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, um ab dem 1. Jänner 2027 als Kleinunternehmer umsatzsteuerbefreit zu sein.

Hierbei müssen Sie jedoch unterscheiden, warum Sie 2026 steuerpflichtig waren:

Grund für die Steuerpflicht in 2026Vorgang für den Wechsel zurück ab 2027
Pflichtüberschreitung im Vorjahr (Sie mussten 2026 in die Regelbesteuerung)Die Kleinunternehmerregelung greift ab 1. Jänner 2027 automatisch wieder. Sie stellen Ihre Rechnungen ab dem Neujahrstag ohne Umsatzsteuer aus und fügen den Befreiungshinweis hinzu.
Freiwillige Optionserklärung (Verzicht auf die Befreiung via Formular U12)Sie sind grundsätzlich 5 Jahre an diese Entscheidung gebunden. Ein Wechsel zurück zur Befreiung in 2027 ist nur möglich, wenn diese 5-Jahres-Frist abgelaufen ist. Wenn ja, müssen Sie die Optionserklärung beim Finanzamt schriftlich (bis zum Ablauf des ersten Kalendermonats des Jahres 2027) widerrufen.

Was Sie am Jahresende tun müssen

  • Umsatzsteuererklärung einreichen: Unabhängig vom künftigen Status müssen Sie für das abgelaufene Jahr 2026 eine vollständige Umsatzsteuerjahreserklärung (Formular U1) beim Finanzamt einreichen, in der alle steuerpflichtigen Umsätze und abgezogenen Vorsteuern final abgerechnet werden.
  • Rechnungstellung umstellen: Wenn Sie ab 2027 wieder als Kleinunternehmer agieren, darf ab dem 1. Jänner 2027 auf keiner Rechnung mehr Umsatzsteuer ausgewiesen werden. Weisen Sie diese fälschlicherweise trotzdem aus, schulden Sie dem Finanzamt diesen Betrag (Steuerschuld kraft Rechnungslegung)

Registrierkassenpflicht

In Österreich tritt die Registrierkassenpflicht in Kraft, sobald ein Betrieb in einem Kalenderjahr zwei Umsatzgrenzen gleichzeitig überschreitet:

  1. Der Gesamtumsatz des Betriebs liegt über 15.000 Euro netto pro Jahr.
  2. Die Barumsätze davon liegen über 7.500 Euro netto pro Jahr.

Wichtig bei den Barumsätzen: Als „bar“ gelten neben Bargeld auch Zahlungen mit Bankomat- oder Kreditkarte, Zahlungen per Smartphone/Smartwatch sowie das Einlösen von Gutscheinen. Klassische Banküberweisungen oder reine Online-Shop-Zahlungen fallen nicht darunter.

Wann beginnt die Pflicht genau?

Mit Beginn des viertfolgenden Monats nach dem Ablauf des Umsatzsteuer-Voranmeldungszeitraums (Monat oder Quartal), in dem beide Grenzen überschritten wurden.

Wann verfällt (bzw. endet) die Registrierkassenpflicht wieder?

Die Registrierkassenpflicht fällt mit Beginn des darauffolgenden Kalenderjahres wieder weg, wenn:

  • Die maßgeblichen Umsatzgrenzen in einem Folgejahr nicht mehr überschritten werden und
  • Absehbar ist, dass diese Grenzen auch in Zukunft nicht mehr überschritten werden.

Ausnahmen und Erleichterungen

Es gibt besondere Regelungen, bei denen die Kassenpflicht trotz Überschreiten der Standardgrenzen entfällt oder modifiziert ist:

  • „Kalte-Hände-Regelung“: Für Umsätze, die im Freien von Haus zu Haus oder auf öffentlichen Plätzen erzielt werden (z. B. Maronibrater, Marktstände), gilt eine erhöhte Umsatzgrenze von 45.000 Euro pro Jahr.
  • Onlineshops / Automaten: Reine Online-Umsätze sowie Waren- und Dienstleistungsautomaten bis zu bestimmten Betragsgrenzen sind von der Registrierkassenpflicht befreit.
  • Belegerteilungspflicht: Unabhängig von der Registrierkassenpflicht gilt in Österreich ab dem ersten Barumsatz eine Pflicht zur Belegerteilung. Seit Oktober 2026 kann dieser Beleg jedoch rechtssicher rein digital (z. B. per QR-Code auf einem Display oder per E-Mail) ausgegeben werden.
Nach oben