STEUERfrei - August 2007

Reisekosten ab 2008

Siehe auch: STEUERbasics Reisekosten (06/2012), Kilometergeld und Pendlerpauschale erhöht (06/2008), Kilometergeld (12/2005), Kilometergeld (09/2003), Berufsreisen nach der EU-Erweiterung (06/2004)

Am 5.6.2007 wurde vom Nationalrat die Reisekosten-Novelle 2007 beschlossen, mit der Reisekostenvergütungen für Dienstnehmer/innen ab 2008 teilweise neu geregelt wurden.


Dienstreise:
liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer über Auftrag seines Arbeitgebers
- seinen Dienstort (Büro, Betriebsstätte, Werksgelände, Lager usw.) zur Durchführung von Dienstverrichtungen verläßt
oder
- so weit weg von seinem ständigen Wohnort (Familienwohnsitz) arbeitet, dass ihm eine tägliche Rückkehr an seinen ständigen Wohnort (Familienwohnsitz) nicht zugemutet werden kann (120 km Entfernung).


Steuerneutral wie bisher sind Aufwandsersätze für Reisekostenvergütungen (Fahrtkostenvergütungen, Kilometergelder, Tagesgelder und Nächtigungsgelder) für Dienstreisen (siehe Kasten). Die anerkannten Kostensätze (“Diäten” oder “Kilometergeld”) dürfen dabei wie bisher nicht überschritten werden.

Neuerungen gibt es jedoch im Detail:

a) Fahrtkostenvergütungen (Kilometergelder)
• Fahrtkostenvergütungen (Kilometergelder) für wöchentliche Heimfahrten zum “ständigen Wohnort”, wenn die tägliche Rückkehr nicht zugemutet werden kann UND für die arbeitsfreien Tage kein steuerfreies Taggeld ausbezahlt wird, sind steuerneutral (bisher nur bei “lohngestaltenden Vorschriften”).
• Werden Fahrten zu einem (neuen) Einsatzort in einem Monat überwiegend (=mehr als 50%) vom Wohnort aus angetreten, liegen im Folgemonat nicht-begüngstigte Fahrten “Wohnung-Arbeitsstätte” vor (bisher sog. “Versetzungsregelung”: bei befristeter Dienstzuteilung über ein Monat sofort “neue Arbeitstätte”, bei ungewisser Dienstzuteilung “Ein-Monats-Regel”). Hier gibt es eine Übergangsregelung für Bau- und Montagetätigkeiten bis 2009!
• Weiterhin gilt bei Dienstreisen (zu wechselnden Einsatzorten), die vom Wohnort angetreten werden, der Wohnort als Dienstort (=Beginn der Dienstreise) – und damit sind Kostenersätze steuerneutral!
• Dienstreisen zu wiederkehrenden Einsatzorten werden neuerdings nach der obigen “Ein-Monats-Regel” steuerneutral gestellt (bisher 5-Tage-Regelung).

b) Tagesgelder (Diäten)
• Die Abrechnung der Tagesgelder (Diäten) nach “Kalendertagen”steht neuerdings allen zu!

Ein Beispiel: Das Taggeld im Inland beträgt derzeit 26,40 €. Für Dienstreisen, die länger als 3 Stunden dauern, kann je angefangene Stunde 1/12 verrechnet werden. Bei Abrechnung nach “Kalendertagen” für eine Dienstreise von 20 Uhr abends bis 12 Uhr Mittag des nächsten Tages kann
- neuerdings mit 20 bis 24 Uhr (Ende des Kalendertages) (= 4/12) und 0 bis 12 Uhr (=12/12), somit insgesamt 16/12 des Tagsatzes (in €: 35,20) abgerechnet werden-
- bisher 20 bis 12 Uhr = maximal 12/12 des Tagsatzes (in €: 26,40).

• Für Auslandsreisen gilt nach der neuen Regelung auch die Zwölftelung nach “Kalendertagen”. Bisher waren für 5-8 Stunden nur ein Drittel, für 8-12 Stunden zwei Drittel und erst ab 12 Stunden der volle Tagsatz steuerneutral.
• Unverändert können Tagesgelder nur dann steuerneutral ausbezahlt werden, wenn kein neuer “Mittelpunkt der Tätigkeit” entsteht. Dies ist für Einsatzorte oder Einsatzgebiete anzunehmen, die wiederkehrend über einen längeren Zeitraum angefahren werden. Dabei gilt nur eine Anfangsphase von 5 Tagen in einem halben Jahr als begünstigt.
• Sollten jedoch “lohngestaltende Vorschriften” (darunter versteht man Kollektivverträge oder Betriebsvereinbarungen) den Dienstgeber verpflichten für einen längeren als den oben genannten Zeitraum Diäten auszuzahlen, sind diese ab 2008 steuerfrei! NEU hinzugekommen ist, dass auch vertragliche Vereinbarungen, die für alle oder bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern abgeschlossen werden, als “lohngestaltende Vorschriften” akzeptiert werden. Dies ist für Branchen interessant, die keine Kollektivverträge haben, oder für Betriebe, die “freiwillig” mehr Tagesgelder auszahlen.

TIPP: DienstgeberInnen können nach den neuen gesetzlichen Bestimmung ihren mobilen Mitarbeitern mehr Reisekostenersätze steuerneutral oder steuerfrei auszahlen, wenn sie den Verwaltungsaufwand nicht scheuen. Und von Lohnnebenkosten befreit sind die Reisekostenersätze weiterhin.

(Renate Schneider) 08/07